Hyaluronsäure : Was kann dieser Wirkstoff wirklich?

Anordnung von transparenten Geltropfen zur Veranschaulichung der Hyaluronsäure.

Hyaluronsäure (kurz: Hyaluron oder Hyaluronan) ist ein Schleimstoff. Was eklig klingt, ist supernützlich für die Haut. Denn Schleimstoffe binden Wasser und umschließen die Haut mit einem Feuchthaltefilm. Dieser Film ist wichtig, denn er hindert die Feuchtigkeit daran, schnell wieder aus der Haut zu verdunsten. Und gut durchfeuchtete Haut sieht frischer und glatter aus. Viele Cremes setzen daher auf Hyaluronsäure und ihre Anti-Aging-Wirkung.

Warum ist Hyaluronsäure so wichtig?

Die Haut bindet einen großen Teil unseres Körperwassers, die gesunde Epidermis besteht zu immerhin 70 Prozent daraus. Umgekehrt bedeutet das: Sie benötigt selbst Feuchtigkeit, um funktionieren zu können. Trockene Haut ist empfindlich, weil ihr wichtige Schutzeigenschaften fehlen. Sie fühlt sich rau an und altert schneller. Hyaluron steckt im Bindegewebe zwischen den Hautzellen. Schon mit Mitte Zwanzig nimmt das Hyaluron in der Haut konstant ab. Dann verliert die Haut an Elastizität und Spannkraft – mit dem zunehmenden Alter entstehen Fältchen, später auch tiefere Falten.

Die Haut braucht mehr als Wasser

Die Hautfeuchtigkeit konstant auf einem guten Niveau zu halten, gehört daher zu den wichtigsten Aufgaben einer abgestimmten Hautpflege. Mit Wasser alleine ist es da nicht getan. Denn nicht das Wasser versorgt die Haut mit der benötigten Feuchtigkeit, sondern feuchtigkeitsbindende Inhaltsstoffe, auch Humectants genannt. Und da ist Hyaluronsäure ganz weit vorne.

Hyaluronsäure ist ein natürlich im Körper vorkommendes Polysaccharid, also ein Mehrfachzucker. Hyaluron hat beeindruckende wasserbindende Fähigkeiten:

1 Gramm lässt bis zu 6 Liter Wasser zu Gel werden.

Diese Eigenschaft macht das Hyluron zu einem wichtigen körpereigenen Bestandteil, nicht nur in der Haut.

Funktionen der Hyaluronsäure: von den Gelenken bis zum Bindegewebe

Hyaluronan ist im Körper überall dort zu finden, wo Wasser gespeichert werden muss, beispielweise im Bindegewebe und in der elastischen Knorpelsubstanz. Außerdem macht Hyaluron den größten Teil der natürlichen Gelenkflüssigkeit aus: Hyaluron erhöht die Viskosität der Gelenkflüssigkeit und erhöht damit ihre Fähigkeit zu schmieren, zu dämpfen und zu filtern. Hyaluronsäure ist also nicht nur Teil des Bindegewebes, sondern wir brauchen sie, damit unsere Gelenke reibungslos arbeiten können.

Hyaluron ist nicht gleich Hyaluron!

Mit dem Auge nicht sichtbar, im Labor aber schon: Hyaluronsäure gibt es in unterschiedlichen Varianten. Man unterscheidet sie in niedermolekular, hochmolekular und ultrakurzkettig. Je nach Molekülgröße hat sie unterschiedliche Eigenschaften. Der elementare Unterschied ist, dass kürzere Hyaluronketten besser in die Haut eindringen können.

  • Langkettige bzw. hochmolekulare Hyaluronsäure kann nicht besonders tief in das Stratum Corneum eindringen, dafür sind ihre Moleküle zu groß. Hyaluron bildet vielmehr einen dünnen, enganliegenden Film auf der Haut und bindet auf diese Weise effektiv Feuchtigkeit im Stratum Corneum. Beim Antrocknen zieht sich dieser Film leicht zusammen, was einen unmittelbar straffenden Effekt der Haut zur Folge hat. Die Hyaluronsäure gehört damit gleichzeitig zu Filmbildnern, um die es gleich noch gehen wird. 
  • Die niedermolekulare Hyaluronsäure, auch als kurzkettig bezeichnet, dringt in tiefere Zellschichten vor – dorthin wo auch die hauteigenen Hyaluronsäure-Depots sitzen. Dafür kann dieses Hyaluron keinen Film auf der Haut bilden. Ob es wirklich bis in die Dermis vordringt, um dort die hauteigenen Hyaluron-Depots aufzufüllen, ist wissenschaftlich noch nicht bewiesen.
  • Ultrakurzkettige Hyaluronarten hingegen dringen tiefer vor. Die kleinen Moleküle binden nicht so viel Feuchtigkeit, halten diese aber länger. Studien belegen ihre aufpolsternde Wirkung.
Die verschiedenen Arten von Hyaluronsäure: langkettig, kurzkettig, ultrakurzkettig und Hyaluronvorstufe (NAG)
Je kurzkettiger die Hyaluronsäure, desto tiefer kann sie in die Epidermis eindringen. In welchem Rahmen ein Vordringen bis in die Lederhaut (Dermis, in der Abbildung rot) möglich ist, ist jedoch noch nicht gut erforscht. Für die Hyaluron-Vorstufe NAG gilt dies hingegen als erwiesen.

Hyaluronsäure in der Forschung

Erstmals entdeckte der deutsche Mediziner Karl Meyer in den 1930er Jahren die Hyaluronsäure. Er stieß auf darauf, als er den Glaskörper des Auges untersuchte. Die kosmetische Forschung entwickelt seither immer neue Formen von Hyaluronsäure, um die Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten miteinander zu verbinden und eine noch bessere Wirkung zu erzielen. Ein gutes Beispiel ist die quervernetzter Hyaluronsäure, welche die Feuchtigkeit noch länger binden soll, oder fettlösliche Formen von Hyaluron. Letztere versprechen eine längere Haltbarkeit in der Haut, da sie tiefer vordringen und fester anhaften. Gar nicht neu, aber dafür sehr vielversprechend ist der Einsatz einer Hyaluron-Vorstufe namens

N-ACETYL-GLUCOSAMINE (KURZ: GLUCOSAMIN ODER NAG)

Glucosamin hat sogar im Vergleich zum kurzkettigsten Hyaluron nochmals deutlich kleinere Moleküle und kann daher nachweislich bis in die Dermis vordringen. NAG wird erst in der Haut zu Hyaluron umgewandelt und hat zusätzlich eine leicht hauterneuernde sowie aufhellende Wirkung.

Die Wirkung von Hyaluron-Cremes

Hyaluron ist ein beliebter Wirkstoff in der Kosmetik und wird in der Hautpflege vielfältig eingesetzt. Es gibt

  • Hyaluronsäure-Creme,
  • Sprays und
  • Seren.

Zwar kann der Wirkstoff die Hautalterung nicht vollständig aufhalten, aber merklich verlangsamen. Falten entstehen bei einer guten Versorgung mit Hyaluron verzögert. Wer rechtzeitig damit beginnt, die Haut mit Hyaluron zu versorgen, kann daher durchaus eine Anti-Aging-Wirkung erzielen. Sinnvoll ist, bereits dann auf Produkte mit Hyaluron zurückzugreifen, wenn die Haut erste Anzeichen der Alterung zeigt und nicht erst , wenn tiefe Falten bereits da sind. Denn dann ist es ungleich schwieriger, die Haut wieder aufzupolstern.

Produkt-Tipp: Eine hochwirksame Pflegeergänzung ist unser hyFIVE BOOSTER. Das hochkonzentrierte Pflege-Gel enthält gleich fünf verschiedene Hyaluronsäuren von lang- bis kurzkettig. Die Anwendung ist ganz einfach: Das Gel lässt sich als Zwischenschritt nach der Reinigung und vor dem Auftragen von Cremes verwenden. Dabei ist es für jeden Hauttyp geeignet.

Hyaluron in Hautpflege und Kosmetik

Welche Arten von Hyaluronsäure konkret in der Hautpflege deiner Wahl zum Einsatz kommen, ist anhand des INCI-Namens kaum zu ermitteln, denn aus ihm geht die Molekülgröße nicht hervor. Es ist aber immer ratsam, darauf zu achten, dass mehrere Hyaluronarten miteinander kombiniert wurden, um ein möglichst breites Spektrum abzudecken. So profitiert deine Haut am besten von den unterschiedlichen Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Varianten. Ob Hyaluron zum Inhalt einer Creme gehört, erkennt ihr an den INCI auf der Verpackung.

Die häufigsten INCI-Bezeichnungen für Hyaluron

  • HYALURONIC ACID
  • SODIUM HYALURONATE
  • HYDROLYZED HYALURONIC ACID
  • SODIUM ACETYLATED HYALURONATE
  • SODIUM HYALURONATE CROSSPOLYMER

Wirkstoffe neben Hyaluron

Es gibt neben Hyaluron noch viele weitere populäre Substanzen, die auch die Fähigkeit haben, Feuchtigkeit zu binden. In Cremes und Kosmetika werden daher auch folgende verwendet:

  • LYCERIN
  • LACTIC ACID (Milchsäure)
  • SACCHARIDE ISOMERATE
  • ODIUM PCA
  • SORBITOL
  • UREA (Harnstoff)

Sie alle sind Bestandteil des natürlichen Feuchthaltesystems (NMF) der Haut.

Urea: Gut für die Haut

Hervorzuheben ist hierbei Urea, denn es ist von essentieller Bedeutung für die Hautgesundheit. Bei Psoriasis zum Beispiel ist die Harnstoffkonzentration um 40 Prozent niedriger als bei gesunden Kontrollen, und bei Ekzemen ist sie um bis zu 85 Prozent reduziert! Im Umkehrschluss bedeutet das, dass ein gesunder Ureagehalt in der Haut ihre Widerstandskraft stärkt. Eine Studie konnte nachweisen, dass ureahaltige Pflege die Empfindlichkeit der Haut gegenüber harschen Tensiden (Sodium Lauryl Sulfate) signifikant herabsetzt.

Glycerin: der unterschätzte kleine Bruder

Ein weiterer beliebter Feuchthaltestoffe aus dieser Liste ist Glycerin. Es zieht Wasser fast magisch an und lässt es dann nur zögerlich wieder los. Dies hilft der Creme nicht nur, im Tiegel schön geschmeidig zu bleiben, sondern auch, die Feuchtigkeit in der Haut zu binden. Die wasserbindenden Fähigkeiten vom Glycerin machen sogar vor der Luft nicht halt: Bei ausreichend hoher Luftfeuchtigkeit zieht es das Wasser aus der Umgebungsluft in die Haut.

Glycerin haftet aber auch ein schlechter Ruf an. Immer wieder ist zu lesen, dass eine zu hohe Glycerinkonzentration in der Creme bei trockener Raumluft die Feuchtigkeit aus den tieferen Hautschichten zieht und so zur Austrocknung der Haut beiträgt. Dies stimmt nur zur Hälfte. Richtig ist, dass Glycerin in höheren Konzentrationen Körperwasser aus den unteren Hautschichten anzieht – das ist aber an sich etwas Gutes.

Glycerin braucht gute Partner

Dass Glycerin diese Feuchtigkeit nach außen abgibt, ist falsch. Ganz im Gegenteil: Es hält sie in der Hornschicht fest. Allerdings ist Glycerin nun mal eine „Wasserratte“ und löst sich bei der Gesichtsreinigung daher sehr gut aus der Haut. Das ist letztlich der Faktor, der bei sehr stark glycerinhaltiger Hautpflege zu dem Gefühl führen kann, es würde die Haut austrocknen. Daher sollten Produkte mit Glycerin im ersten Drittel der Liste der Inhaltsstoffe immer auch ausreichend Öle enthalten.

Apropos Öle…

Eine gute Feuchtigkeitscreme muss neben den Feuchtmachern auch Lipide (Emollienzien) sowie Filmbildner enthalten, um die zugeführte Feuchtigkeit halten zu können. Ölfreie Seren oder -gele alleine schaffen diese Wirkung nicht.

Weitere Anwendungsarten von Hyaluronsäure

Hyaluronsäure ist zwar vielen als Wirkstoff aus der Kosmetik bekannt, da sie aber im gesamten Körper eine wichtige Rolle spielt, kommt es aufgrund ihrer positiven Wirkung an verschiedenen Stellen in der Medizin zum Einsatz:

Hyaluronsäure-Injektionen oder Spritzen werden bei Knieproblemen angewendet, beispielsweise bei Arthrose. Das Hyaluronan soll die Gleitfähigkeit der Gelenkflüssigkeit verbessern und die Funktion des Knorpels wiederherstellen. Dafür werden oft drei oder fünf Hyaluronsäure-Spritzen über einen bestimmten Zeitraum vom Arzt injiziert.

Hyaluronsäure Augentropfen ersetzen die natürliche Tränenflüssigkeit. Wer unter trockenen Augen leidet, zum Beispiel wegen zu langer Bildschirmarbeit, kann die Augen damit befeuchten.

Hyaluron gibt es in Form von Trinkampullen als Nahrungsergänzungsmittel, quasi die Alternative zu Cremes. Bei einer sehr intensiven Anwendung konnten in Tests zwar kaum sichtbare, aber wenigstens leicht messbare Verbesserungen bei der Tiefe von Falten und der Spannkraft festgestellt werden.