Parabene in Kosmetik: Ist das Konservierungsmittel gefährlich?

Mann mit braunem Handtuch um den Kopf und Creme im Gesicht schaut überrascht.

Wussten Sie, dass jedes Hautpflegeprodukt natürliche Feinde hat? Gemeint sind all die Keime, die sich unter anderem auf Ihren Händen und in der Luft tummeln: Mikroben wie zum Beispiel Bakterien. Nicht alle davon sind schädlich für unsere Hautgesundheit, aber die schlechten können die eigentlich pflegende Creme in einen Cocktail verwandeln, der Reizungen, Ausschläge und Entzündungen auslöst. Gelangen bestimmte Bakterien ins Auge, kommt es im schlimmsten Fall sogar zum Erblinden. Ebenfalls nichts auf der Haut zu suchen haben Hefe-, Schimmel- und sonstige Pilze. Seren, Sprays, Cremes & Co. dürfen diesen Quälgeistern also keinen Nährboden bieten.

Warum gibt es Konservierungsmittel in kosmetischen Produkten?

Das Problem: Eigentlich bringen Hautpflegeprodukte für Keime die besten Voraussetzungen mit. Denn Bakterien essen für ihr Leben gerne Fett, fühlen sich in Wasser pudelwohl und das leicht saure Milieu pH-hautneutraler Formulierungen ist geradezu ideal für sie. Wenn dann noch die wohlige Wärme des Badezimmers dazu kommt, wird der Creme-Tiegel zum potenziellen Mikroben-Ballermann. 

Die logische und unausweichliche Konsequenz: Um Hautpflege sicher zu machen, brauchen die meisten Rezepturen Konservierungsstoffe. Sie sorgen dafür, dass sich in den Produkten keine Keime ansiedeln oder in kritischem Maße vermehren können. 

Bei der Wahl der eingesetzten Konservierungsstoffe gelten strenge Regeln. So schreibt die EU-Kosmetikverordnung unter anderem vor, welche Stoffe überhaupt zur Konservierung eingesetzt werden dürfen – momentan sind es rund 50 verschiedene. Der bekannteste und wohl auch am meisten diskutierte Konservierungsstoff sind Parabene. 

Was sind Parabene?

Der Begriff „Parabene“ umschreibt die 4-Hydroxybenzoesäure (Paraben) und deren Derivate (also aus einem Paraben abgeleitete Substanzen). Sie sind die in der Kosmetikherstellung am längsten und häufigsten verwendeten Konservierungsstoffe. Seit über 80 Jahren sind sie bereits im Einsatz, über keinen anderen Konservierungsstoff weiß man so viel. Für die Konservierung von Kosmetika werden laut einer Erhebung vom BUND aus dem Jahre 2013 vor allem

  • Methylparaben (24 Prozent aller Kosmetika) 
  • Propylparaben (18 Prozent)
  • Ethylparaben (12 Prozent)
  • Butylparaben (20 Prozent)

eingesetzt, häufig in Kombination. 

Parabene zu Unrecht in der Kritik

Diese Parabene sind allgemein gut verträglich, nur sehr wenige Menschen haben eine Allergie dagegen. Vor allem aber sind Parabene in Kosmetik sehr wirksam; kleine Mengen reichen oft aus, um die gewünschte Stabilität zu erreichen. Das ist wichtig, denn die eigentlichen Produkteigenschaften sollen durch die Zugabe von Konservierungsmitteln nicht beeinflusst werden. 

Bis zur Jahrtausendwende war der Ruf der Parabene unbefleckt, doch dann sind sie in Verruf geraten – bis heute. Parabene gelten geradezu als „böse“ und werden immer wieder mit den Schlagworten „hormonell wirksam“ und „krebsauslösend“ in Zusammenhang gebracht. Das Prädikat „ohne Parabene“ gilt heutzutage als besonderes Qualitätsmerkmal bei Hautpflege.

So entstand der Mythos rundum Parabene in Kosmetika

Um zu verstehen, was da schiefgelaufen ist, muss man etwas genauer hinschauen – die einschlägigen Medien stellen den Sachverhalt rund um die Parabene zum Teil leider sehr verkürzt und ungenau dar.

Im Jahr 1998 stellten Wissenschaftler bei Versuchen mit Ratten fest, dass Parabene in besonders hoher Dosis eine ähnliche Wirkung im Körper entfalten wie das weibliche Hormon Östrogen. Dies wurde in der Öffentlichkeit nicht weiter beachtet – bis zum Jahre 2004. In diesem Jahr veröffentlichte ein britisches Forscherteam eine Studie, die Parabene konkret mit Brustkrebs in Zusammenhang brachte. 

Diese Botschaft fiel nun auf fruchtbaren Boden, die Schlagzeile ging um die Welt und entfachte etwas, was wir heutzutage wohl als veritablen Shitstorm bezeichnen würden. Allerdings halten Wissenschaftler und Behörden, die sich genauer mit der Studie befassten, Parabene keineswegs für gefährlich. Dafür muss man sich die Ergebnisse beider Studien genauer anschauen.

Studien zu Parabenen weisen Fehler auf

Die Studie von 1998 fand wie gesagt mit Ratten statt. Dazu wurden die Parabene den Ratten unter die Haut gespritzt, was natürlich zu einer viel höheren Dosis führt, als wenn Parabene als geringer Anteil einer Pflegecreme über die Haut in den Körper gelangen. Trotzdem war die Wirkung des injizierten Parabens teilweise um das 2,5-Millionenfache geringer als die natürlichen Östrogene. Darum wurde dieser Studie auch bei Veröffentlichung keine große Aufmerksamkeit geschenkt.

Aber auch die Ergebnisse der britischen Studie von 2004 sind unverhältnismäßig interpretiert worden, insbesondere weil es im Studienaufbau eklatante Fehler gab. So gab es zum Beispiel keine Kontrollgruppe, sodass die getroffenen Herleitungen den international anerkannten Standards für Studien gar nicht standhielten. 

Das sahen auch die Autoren der Studie ein und veröffentlichten ein halbes Jahr später eine Stellungnahme, in der sie deutlich machten, dass ihre Studie nicht zu dem Schluss gekommen sei, dass Parabene Brustkrebs auslösen. Diese Richtigstellung hat allerdings keine Öffentlichkeit mehr gefunden – das Thema war in den Medien durch, bis heute. Googeln Sie einfach mal.

Methyl und Ethylparaben wirken leicht hormonell 

Viele Wissenschaftler und Behörden haben sich mit der Wirkung von Parabenen in der Kosmetik sehr eingehend beschäftigt, mehr als mit jedem anderen Konservierungsmittel für Kosmetika. Dennoch gibt es bis heute keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Parabene krebsauslösend sind. Bestimmte Parabene weisen eine gewisse hormonelle Wirkung auf, das ist unbestritten. Es ist jedoch keineswegs klar, ob diese ausreicht, um den menschlichen Körper negativ zu beeinflussen. Nur weil Parabene hormonell aktiv sind, müssen sie nicht schädlich sein. Zudem kommt es auf die Dosis an. So zeigen Methyl und Ethylparaben eine leichte hormonelle Wirkung, die ist aber um den Faktor 1 Million schwächer als natürliches Östrogen. Bei anderen Parabenen wie Propyl und Butylparaben liegen noch nicht genug Daten aus der Forschung vor, um eine endgültige Bewertung abzugeben. 

Was sagt das Bundesinstitut für Risikobewertung?

Darum hat das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR die Höchstgrenze für Propyl und Butylparaben – sicherheitshalber – auf 0,19 Prozent abgesenkt. Die EU hat zusätzlich den Einsatz in Kinderprodukten, die im Windelbereich eingesetzt werden (zum Beispiel Wundcremes), verboten. Dieses Verbot dient dem vorbeugenden Schutz der Kleinsten: Bei einer bestehenden Hautreizung, wie etwa einem wunden Popo, könnten die Parabene stärker in die Haut des Babys eindringen.

Kritiker bringen vor, dass Parabene in vielen verschiedenen Produkten enthalten sind, so beispielsweise auch in Lebensmitteln. Wenn wir viele verschiedene Parabene täglich nutzen, erhöht sich natürlich insgesamt der Anteil im Körper. Auch ist nicht klar, wie verschiedene Parabene miteinander im Menschen wirken. Allerdings wird dieser Effekt bei der Bewertung durch das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR mit eingerechnet.

Unser Fazit zum Einsatz von Parabenen: 

Parabene sind sehr gut wirksam, verträglich und bestens untersucht – kein einziges anderes Konservierungsmittel kann diese Eigenschaften vorweisen. Die aktuelle Datenlage gibt in Kombination mit den bestehenden Gesetzen keinen wissenschaftlich belegten Grund zur Besorgnis, wenn Parabene in Gesichtspflege enthalten sind. Auch wenn wir bei HighDroxy aus fachlicher Sicht die Parabene durchaus schätzen, so verzichten wir dennoch konsequent darauf. Schließlich gibt es milde und wirksame Alternativen – und ausnahmslos diese nutzen wir in unseren Produkten.

Kosmetik geht auch ohne Parabene – aber wie? 

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann das tun – Produkte, die keine Parabene enthalten, sind heutzutage gut gekennzeichnet. Allerdings weiß man von einigen alternativen Konservierungsstoffen, dass sie ein deutlich höheres allergenes Potenzial haben. Das hängt auch damit zusammen, dass sie im Vergleich zu Parabenen in einer bis zu zehnfach höheren Konzentration eingesetzt werden müssen, um ausreichend gegen Mikroben zu wirken. Andere spalten Formaldehyd ab, was ebenfalls zu Reizungen führen kann. Moderne kosmetische Formulierungen berücksichtigen diese Faktoren und bieten damit eine den Parabenen ebenbürtige, reizarme Alternative. Bei einigen Konservierern ist jedoch Vorsicht geboten. Die gebräuchlichsten Alternativen zu Parabenen stellen wir Ihnen im Folgenden kurz vor.

4 Alternativen zu Parbenen 

1. Phenoxyethanol

Phenoxyethanol ist ein synthetisch gewonnener Alkohol und ein vergleichsweise schwacher Konservierer, der zumeist mit anderen Konservierungsmitteln kombiniert werden muss, um umfassenden Schutz zu bieten. 

Aufgrund seiner erdölbasierten Herkunft ist er in Naturkosmetik nicht zugelassen und wird in diesem Zusammenhang oft ähnlich negativ dargestellt wie Parabene. Auch hier lässt die aktuelle Faktenlage keinerlei negative Rückschlüsse auf seine Verwendung in Kosmetika zu. Phenoxyethanol darf nach europäischem Kosmetikrecht bis zu einem Gehalt von 1 Prozent in kosmetischen Mitteln eingesetzt werden. In dieser Konzentration gilt es als sicher und verträglich. Phenoxyethanol bietet nur wenig Reizpotenzial und wird daher gerne in Produkten für sensible Haut, für die Augenpartie sowie für Babyprodukte eingesetzt.

2. Diole und Glycerylester

Alkohol hat in höheren Konzentrationen gute konservierende Eigenschaften. Daneben haben die nachfolgend aufgeführten Alkohole noch andere Funktionen. Sie werden zum Beispiel als Co-Emulgatoren, Rückfetter, Feuchthaltemittel oder Penetrationsverstärker eingesetzt.

In der Liste der Inhaltsstoffe erkennen Sie diese Konservierer an den Begriffen

  • BENZOE ACID
  • DEHYDROACETIC ACID
  • POTASSIUM SORBATE
  • SALICYLIC ACID (Salicylsäure)
  • SODIUM BENZOATE (Natriumbenzoat) 
  • SORBIC ACID

All diese Säuren und ihre Salze kommen auch in der Natur vor. Daher sind sie, auch wenn sie mittlerweile industriell hergestellt werden, zur Konservierung von Naturkosmetik erlaubt. Sie gelten als gut verträglich und weisen nur ein schwaches Allergiepotenzial auf (0,2 Prozent oder geringer). Wen wundert’s: Die Benzoesäure ist chemisch mit den Parabenen verwandt. Als Konservierer wird sie wegen ihrer antibakteriellen Wirkung eingesetzt.

3. Formaldehyd und Formaldehyd-Abspalter

Formaldehyd hat hervorragende konservierende Eigenschaften. Es konserviert sogar so gut, dass damit anatomische Präparate oder Leichen über Jahrzehnte vor dem Verwesen geschützt werden. Formaldehyd ist hochreaktiv, zellschädigend und kann aufgrund seiner geringen Molekülgröße gut in die Haut eindringen. Es reizt die Schleimhäute, ruft Allergien hervor und wurde 2008 von der Europäischen Kommission als krebsverdächtig eingestuft. 

Reines Formaldehyd ist heutzutage praktisch nicht mehr in Hautpflege zu finden. Enthalten sein kann es trotzdem, denn stattdessen werden sogenannte Abspalter eingesetzt, die erst auf der Haut das Formaldehyd freisetzen. Folgende Formaldehyd-Abspalter könnten Ihnen in der Liste der Inhaltsstoffe von Cremes, Make-up, Deo, Shampoo, Haarfärbemitteln und Flüssigseifen begegnen :

  • 2,4-IMIAZOLIDINEDIONE
  • 2-BROMO-2-NITROPROPANE-1,3-DIOL
  • 5-BROMO-5-NITRO-1,3-DIOXANE ` BRONOPOL
  • DIAZOLIDINYL UREA
  • DMDM HYDANTOIN
  • IMIDAZOLIDINYL UREA
  • METHENAMINE
  • QUATERNIUM-15
  • SODIUM HYDROXYMETHYLGLYCINATE

Aufgrund der Begriffsvielfalt ist die für Kosmetika geltende Deklarationspflicht hilfreich: Sofern die Konzentration an freiem Formaldehyd im Produkt 0,05 Prozent überschreitet, muss der Hinweis „Enthält Formaldehyd“ auf die Verpackung gedruckt werden.

4. Methylisothiazolinon (MI)

Ein sehr wirksamer Konservierungsstoff, der allerdings ein sehr hohes Allergiepotenzial hat. Er darf daher seit 2017 nur noch in abwaschbaren Pflegeprodukten verwendet werden. Methylisothiazolinon ist tückisch: Wer einmal in seinem Leben eine Allergie gegen MI entwickelt hat, leidet sein Leben lang darunter. Da das Konservierungsmittel weiterhin in anderen Produkten, zum Beispiel Wandfarbe, verwendet werden darf, kann die Allergie immer wieder neu ausgelöst werden.

Hygienische Kosmetik: Sie haben es selbst in der Hand

Die streng regulierte Konservierung von Hautpflege ist nicht die einzige Schutzmaßnahme gegen Keimbelastung. Schon bei der Wahl Ihrer Produkte liegt es an Ihnen, die Keimbelastung unter Kontrolle zu haben, genauer: bei der Wahl der geeigneten Verpackung. Denn diese entscheidet darüber, ob und wie viel Licht, Sauerstoff und Mikroben an den Inhalt kommen.

Die älteste und noch immer weit verbreitete Variante für Kosmetik ist der Cremetiegel. Leider ist sie auch die am wenigsten hygienische. Bei jedem Gebrauch fahren Sie mit einem oder mehreren Fingern durch die Creme und bringen dabei garantiert neue Keime hinein. Im Deckel kann sich zudem verkeimtes Kondenswasser bilden. Der Konservierungsbelastungstest ist zwar auf so ein „Anwendungsszenario“ ausgerichtet, dennoch sollte selbstverständlich sein: Erst Hände waschen, dann Cremes & Co. benutzen!

Noch besser ist es, für die Entnahme der Creme einen kleinen (sauberen) Spatel zu nutzen, wie wir ihn der EYE LOVE Creme beilegen. Diese Creme ist ist zu fest für einen Pumpspender – in solchen Fällen ist ein Tiegel unumgänglich.

Moderne Verpackungen halten Ihre Kosmetik keimfrei

Weitaus besser als der altmodische Tiegel sind (wenn es die Textur des Produktes erlaubt) Verpackungen, bei denen wirklich nur die entnommene Menge mit den Händen in Berührung kommt. Pumpspender, Spraypumpen, Tuben oder (akkurat angewendet) Druckpipetten vereinfachen eine hygienische Entnahme und verringern die Keimbelastung enorm.  Die Königsklasse der Verpackung von kosmetischen Produkten sind sogenannte Airless-Spender. Bei diesen Spendern wird das Produkt nicht über ein Steigrohr nach oben gepumpt, sondern über eine Vakuumpumpe im Dosierkopf aus dem Tiegel gesogen. Bei dieser Pumptechnik gelangt keine Umgebungsluft zurück in das Packmittel – hygienischer geht es nicht. Darum haben wir uns dafür entschieden, die Produkte von HighDroxy wann immer möglich im Airless-Spender anzubieten. 

HighDroxy IN:FUSE Spender liegt neben der Faltschachtel auf einem Untergrund aus Glas und Holz.
Bei Airless Spendern wie diesem wird durch den Pumpvorgang im Spender ein Vakuum erzeugt, durch das der Inhalt nach außen gesaugt wird. Die Konstruktion im Inneren verhindert, dass beim Loslassen des Pumpkopfes Luft zurück in den Spender gelangt.