Aufgaben der Haut: Was für ein Organ

Schulter einer Frau mit einem Herz aus Creme

Unsere Haut ist nicht nur das größte Organ, sondern eines, das viel mehr Aufgaben übernimmt, als uns oft bewusst ist. Die Funktionen der Haut sind maßgeblich für unseren Gesundheitszustand. Dabei geht es nicht nur um Hautprobleme, sondern auch um die richtige Körpertemperatur, Sonnenschutz, Austrocknung und vieles mehr.

Aber, seien wir ehrlich: Wenn es um unsere äußere Hülle geht, neigen wir schnell zur Strenge und sind selten so richtig happy: Wir begutachten akribisch Poren, Flecken und Fältchen. Vor allem aber reduzieren wir den Zustand und die Bedeutung der Haut auf das Areal, das wir täglich zuerst im Spiegel sehen – unser Gesicht. Dabei werden wir der Großartigkeit dieses Organs nicht gerecht. In diesem Artikel richten wir daher den Blick auf die gesamten knapp zwei Quadratmeter Haut, die rund um die Uhr Höchstleistungen für uns und unseren Körper vollbringen.

Folgende Aufgaben – und noch viele mehr – erfüllt die Haut (griech.: Derma) unseres Körpers vorbildlich:

Korsett & Formgeber des Körpers

Die offensichtlichste Funktion der Haut: Sie hält unsere inneren Organe und Blutbahnen zusammen und sorgt gemeinsam mit Skelett und Muskulatur dafür, dass unser Körper in Form und alles an seinem Platz bleibt. Schließlich soll Ihnen das Herz (wenn überhaupt) nur sprichwörtlich in die Hose rutschen! Die hierfür erforderliche Reißfestigkeit der Haut ist enorm, denken Sie nur an Leder. Doch auch sie kennt Grenzen: Schwangerschaftsstreifen zum Beispiel sind die sichtbare Folge einer Überdehnung der Haut.

Die Haut als Schutzschild & Wachhhund

Die gesunde Haut verfolgt eine strenge Türpolitik: Mit ihrer oberen Schicht verhindert sie, dass Wasser, Keime und Umweltgifte in unseren Körper eindringen. Das gelingt ihr, weil der optimale pH-Wert unserer Haut zwischen 4,5 und 5,5 liegt. Dieses leicht saure Milieu sorgt dafür, dass die Haut alkalische Stoffe (z. B. Urin, Stuhl, alkalische Seifen) neutralisiert und das Wachstum von Bakterien und Pilzen verhindert.

Zu einem gewissen Grad kann die Haut (mithilfe ihrer Pigmente und den äußeren Hornzellen) sogar schädliche UV-Strahlung neutralisieren. Im Falle eines Falles warnt sie uns wie ein bellfreudiger Wachhund über Schmerzrezeptoren vor Feuer oder (drohenden) Verletzungen und informiert unser Immunsystem über Eindringlinge, die es dennoch geschafft haben, die Barriere zu durchdringen. Bei aller Strenge ist die Haut wählerisch: Feuchtigkeit, Lipide oder kosmetische Wirkstoffe genießen „VIP Access“.

Das größte Organ ist Wasserspeicher & Klimaanlage

Die Haut besteht zu rund 70 Prozent aus Wasser und speichert damit circa ein Viertel der Flüssigkeit unseres Körpers. Als Klimaanlage fungiert die Haut über die lebensnotwendige Funktion des Schwitzens: Über unsere Poren verdunstet Schweiß bedarfsgerecht, um unseren Organismus abzukühlen. Doch nicht nur das Schwitzen hilft beim Temperaturausgleich – über die gezielte Erweiterung oder Verengung der Blutgefäße in der Haut steuert der Körper präzise unsere Körpertemperatur. Ohne diese clevere Taktik würde die Temperatur bereits nach 15 Minuten mäßiger Anstrengung lebensbedrohlich steigen! Doch die Haut kann den Körper auch wärmen: Bei Kälte verengen sich die Adern, der Schweiß versiegt. Zusätzlich isoliert das Fettgewebe der Unterhaut unseren Körper – eine enorm wichtige Funktion der Haut.

Die Körper eigene Chemiefabrik & Apotheke

Die Drüsen in unserer Haut produzieren Schweiß, Duftstoffe und Talg. Doch sie kann noch viel mehr herstellen: Rund 30 verschiedene Hormone entstehen hier, darunter solche, die den Schmerz lindern, die Hautpigmentierung fördern oder die Kortisonbildung steuern. Dermatologen bezeichnen die Haut daher auch als größte Hormonquelle des menschlichen Körpers. Zu den bekanntesten Hormonen, die hier gebildet werden, gehört das „Knochenhormon“ Vitamin D. Dass es in der Haut entsteht, hat gute Gründe: Zum einen wird Sonnenlicht für die Vitamin-D-Synthese benötigt. Zum anderen kommt es teils direkt in der Haut zum Einsatz, denn hier ist es maßgeblich verantwortlich für einen ausgewogenen Feuchtigkeitsgehalt.

Diplomat & Manager

Unsere Haut steht pausenlos im Dialog mit der Umwelt: Sie bringt uns zum Schwitzen, lässt uns erröten, schenkt uns ein Strahlen oder signalisiert unserer Umgebung, dass es uns schlecht geht. Außerdem liefert sie den Tastsinn, der gleich in mehrfacher Hinsicht beeindruckt: Er ist der Sinn, den ein Mensch als Erstes entwickelt, nämlich bereits in der achten Schwangerschaftswoche. Unseren Augen ist er in puncto Genauigkeit übrigens weit überlegen: Dank ihm können wir Unebenheiten spüren, die lediglich 0,001 Millimeter hoch sind. Um sie sehen zu können, müssten sie 80 bis 100-mal so groß sein!

Schon gewusst? Das Gewicht der Haut beträgt je nach Körpergröße und Körpergewicht des Menschen 3,5 bis 10 kg. Wird das Fettgewebe eingerechnet, kann sie sogar ein Gewicht von 20 kg erreichen.

Mehrschichtbetrieb: Der Aufbau der Haut

Um diesen vielen Aufgaben im Körper gerecht zu werden, ist ein komplexer Aufbau der Haut notwendig. Keine Sorge, ich präsentiere Ihnen im Folgenden keine kleinteilige medizinische Abhandlung. Dennoch lohnt sich ein etwas genauerer Blick auf die unterschiedlichen Schichten der Haut – das sind im Wesentlichen die Oberhaut (Epidermis), die Lederhaut (Dermis) und die Unterhaut (Subkutis). Alle drei Hautschichten sind eng miteinander verbunden, aber jede davon hat ihre eigenen Aufgaben.

Die Unterhaut – unser Polstermöbel

Fangen wir mal ganz unten an: Dort liegt die Unterhaut, auch Subkutis genannt. Nervenenden, Blutgefäße, Haarwurzeln und Drüsen aus den oberen Schichten ragen zum Teil noch bis hierhin. Hauptsächlich dient die Unterhaut jedoch als Polster und besteht darum aus lockerem und sehr dehnbarem Bindegewebe. Der Großteil der Subkutis ist aus Fettzellen gemacht, die durch Scheidewände in unterschiedliche große Gruppen aufgeteilt sind. Diese „Fettklümpchen“ kann man manchmal von außen sehen – als Cellulite. Obwohl wir sie oft mit ungnädigem Blick betrachten, haben diese Fettzellen wichtige Aufgaben: Sie dämpfen Hitze und Kälte, aber auch Stöße ab. Gleichzeitig sind sie ein Energiereservoir. Bei untergewichtigen Menschen kann die Subkutis komplett verschwinden, während sie bei Übergewichtigen besonders stark ausgeprägt ist.

Querschnitt der Haut mit allen Bestandteilen wie Nerven, Blutgefäßen, verschiedenen Zellen etc.
Die wichtigsten Bestandteile der Haut: (1) Nerven, (2) Blutgefäße, (3) Haarwurzel, (4) Fettzellen, (5) Bindegewebe, (6) Haarbalgmuskel, (7) Schweißdrüsen, (8) Lymphgefäße, (9) Keimzelle, (10) Pigmentzelle, (11) Langerhanszelle, (12) Stachelzelle, (13) Körnerzelle, (14) Hornzelle

Die Lederhaut – robuste Schaltzentrale

Direkt darüber schließt die Lederhaut, auch Dermis genannt, an. Hier ist eine Menge los: Sie ist dicht durchzogen von Blutgefäßen und Bindegewebsfasern. Sie erhält Signale, wenn unsere Haut von außen gereizt oder gar gefährdet wird. Dann pumpt die Lederhaut kräftig Blut nach oben. Dadurch entstehen beispielsweise Quaddeln oder Pusteln bei einer allergischen Reaktion. Bei einer Verletzung, zum Beispiel einem unglücklichen Schnitt mit dem Küchenmesser oder einem Insektenbiss, schlägt die Haut sofort Alarm und sendet Schmerzsignale ins Gehirn. Auch die Haarwurzeln sitzen in dieser Hautschicht ebenso wie die Schweiß und Talgdrüsen.

Gemeinsam mit den Blutgefäßen machen sie die Lederhaut zur „Regulierungsmaschine“: Über die Durchblutung wird die Haut bei Bedarf aufgeheizt, durch das Schwitzen abgekühlt. Das elastische und zähe Bindegewebe sorgt dafür, dass die Haut nach Ziehen, Zupfen oder Drücken wieder in ihre Ausgangsform zurückkehrt. Dafür sind Bindegewebszellen verantwortlich, die sogenannten Fibroblasten, ein spezielles Eiweißmolekül namens Kollagen und die hochelastische Faser Elastin. Gemeinsam formen sie die Netzschicht. Mit zunehmendem Alter verschleißen diese Fasern; dann verliert die Haut ihre jugendliche Spannkraft. Und auch die zarten Körperhaare tragen zur Temperaturregulierung bei: Neben dem Haarfollikel sitzt jeweils der kleine Haarbalgmuskel, der das Haar bei Kälte aufrichtet und so eine schützende Luftschicht über der Hautoberfläche bindet. Last but not least sorgen die Talgdrüsen für ständigen Nachschub an Hautfett, welches unseren Säureschutzmantel mitbildet und damit den Wasserverlust in Schach hält. Bei Menschen mit öliger Haut meinen diese Drüsen es besonders gut. In der Lederhaut wird nicht nur reguliert, sondern auch spioniert. Ein dichtes Netz an Lymphgefäßen verläuft ebenfalls hier. Das Lymphsystem ist quasi die Außenstelle unseres Immunsystems: Es späht unerwünschte Haut-Eindringlinge wie Keime und andere Erreger aus und eliminiert sie mit einer Armee aus Killerzellen. Ganz schön viel Action!

Die Oberhaut – harte Schale und doch ganz zart

Oberhalb der Dermis schließt die Oberhaut (Epidermis) an. Sie bildet unsere äußere, sichtbare Hülle – eine Art hocheffizienten Verteidigungswall. Ein Großteil des zuvor beschriebenen Multitaskings fällt in ihr Ressort. Deshalb verfügt sie über eine Reihe von spezialisierten Zelltypen – zum Beispiel Hornzellen, Pigmentzellen und Tastzellen. Nicht zu vergessen: die Langerhans-Zellen. Diese Immunzellen passen stets gut auf, ob die Haut von Keimen oder anderen Reizungen bedroht wird, und senden bei Bedarf Hilferufe nach unten an die umtriebige Dermis. Beide Hautschichten sind durch wellenförmige Einbuchtungen miteinander verbunden, damit die Lederhaut die angrenzende Hautschicht mit Nährstoffen versorgen kann.

Ähnlich vielschichtig wie ihre Aufgaben ist auch der Aufbau der Oberhaut. Sie besteht (je nach Körperregion) aus vier bis fünf Schichten: Die Oberhaut kann von außen nach innen weiter unterteilt werden in die Hornschicht (Stratum corneum), die Glanzschicht (Stratum lucidum), die Körnerzellenschicht (Stratum granulosum), die Stachelzellschicht (Stratum spinosum) und die Basalschicht (Stratum basale).

Gleichzeitig ist sie für unser Aussehen verantwortlich, denn hier oben wird sichtbar, was weiter unten in unserer Haut nicht optimal läuft: zum Beispiel im Gesicht in Form von durchschimmernden Augenringen, Unreinheiten, Rötungen oder Pigmentflecken. An den Füßen oder Handinnenflächen sieht man deutlich weniger von dem, was unter der Haut vorgeht. Das liegt daran, dass sie hier viel stärker beansprucht wird. Darum ist hier die obere Schicht der Epidermis, also die Hornschicht, deutlich dicker – daher heißt sie Hornhaut.

In den Schichten der Oberhaut kehrt nie Ruhe ein. Ganz im Gegenteil: Sie sind immer in Bewegung! Um stets in Topform zu sein, erneuert sich die Epidermis kontinuierlich. Im Grunde ist dies sogar ihre Hauptaufgabe: die obere Hautbarriere ein Leben lang immer wieder aufzubauen. Denn nur so kann die Haut ihre zentrale Funktion als Schutzschild gegen äußere Einflüsse aufrechterhalten.

Schichtwechsel: Ihre Haut erneuert sich

Die natürliche Hauterneuerung, auch Exfoliation genannt, ist ein faszinierender Prozess und von größter Bedeutung für unsere Hautgesundheit. Sie erfolgt von innen nach außen, genauer gesagt von unten nach oben: In der untersten Schicht der Epidermis, der Basalmembran, wachsen rund um die Uhr frische Keimzellen heran. Auf ihrem Weg an die Oberfläche werden sie zuerst zur Stachelzelle und danach zur Körnerzelle. Auf dieser Reise, die in jungen Jahren rund 4 Wochen dauert (im fortgeschrittenen Alter doppelt so lange) verändern sich also mehrfach ihre Beschaffenheit und ihr Aufgabengebiet. Nützlich sind sie dabei immer: Im Laufe ihrer Reise an die Oberfläche produzieren sie das Eiweiß Keratin (auch Horn genannt), spezielle Fette (als Ceramide bekannt) sowie weitere Eiweißarten. Auf ihrer anstrengenden Reise geht den Epidermiszellen nach und nach die Luft aus – sie werden immer flacher. Fast oben angekommen, haben sie sich in dünne Hornplättchen verwandelt. Zu guter Letzt verlieren sie ihren Zellkern – er ist (oder war) das Kraftwerk der Zelle. Mit anderen Worten: Nun sind sie tot. Im Durchschnitt stößt unsere Haut auf diese Weise täglich circa 10 Gramm lebloser Hautschüppchen ab. Oder anders gesagt: Pro Minute verlieren wir sagenhafte 50.000 Hornzellen. 


Während die Zellen der Epidermis heranwachsen, wandern sie in vier Etappen von unten
nach oben. Die Zeitangaben beziehen sich auf die junge Haut. Mit zunehmendem Alter
verlangsamt sich der Prozess der Exfoliation.

Gut also, dass von unten jederzeit neue Zellen nachströmen. Dies geschieht mit zunehmendem Alter jedoch immer langsamer. Die Aussage „Alle 28 Tage erneuert sich unsere Oberhaut“ ist ein Durchschnittswert. Bei Menschen in den Zwanzigern ist die Haut einige Tage schneller, in den Vierzigern hinkt sie bereits einige Tage hinterher. Jenseits der 50 kann es bereits passieren, dass ein Hauterneuerungszyklus doppelt oder sogar dreimal so lange dauert!

Die Haut braucht Hilfe

Mit dem Alter nimmt die Verletzlichkeit der Haut zu. Die Haut erneuert sich langsamer, viele ältere Menschen trinken zu wenig, die Mobilität lässt nach. Ein großes Problem kann entstehen, wenn durch Bettlägerigkeit und falsche Pflege schmerzhafte Druckgeschwüre (Dekubitus) entstehen. Ist ein Dekubitus erst einmal entstanden, kann der Heilungsprozess dieser Hautschädigung über Monate dauern und sehr belastend sein. 

Damit unsere Haut ihre vielen wichtigen Funktionen übernehmen kann, gesund und widerstandsfähig bleibt, sollten wir sie ein Leben lang gut behandeln. Flüssigkeit ist für unsere Hautgesundheit extrem wichtig, aber auch eine ausgewogene Ernährung und Bewegung.

Die häufigsten Hautkrankheiten stellen wir Ihnen in einem separaten Beitrag vor.